online-homeschooling

Die Schule ist online

Vor sechs Wochen wurde ich zu einer Online-Lehrerin. Von einem Tag auf den anderen durfte ich die Schule nicht mehr betreten und meine SchülerInnen nicht mehr sehen.

Der Präsenz-Unterricht wurde zum Online-Unterricht. Ich musste innerhalb kürzester Zeit meinen Semesterplan dem Online-Unterricht anpassen. Das Problem dabei war, dass ich bisher gar nie online unterrichtet hatte.

Glücklicherweise gibt es Apps, die mich bei dieser Art von Unterricht unterstützen. Aber auch deren Anwendung war neu und ungewohnt. Dank den hilfreichen Lernvideos im Internet versuchte ich, mich so gut wie möglich auf diese neue Art von Unterricht vorzubereiten. Trotzdem war es eine ganz neue Welt, die mich hier erwartete.

Zuerst war da «die Wand». Nachdem meine Klasse laut Anwesenheitsübersicht auf der rechten Bildschirmseite vollständig online anwesend war, sah ich auf meinem Laptop eine schwarze Wand mit vier Kreisen, in denen die Initialen von vier Schülern standen. Ich fragte mich, ob mich alle hören und sehen konnten. Ich wusste nicht, ob wirklich alle da waren oder in einem anderen Raum gerade einen Kaffee holten oder ihre Katze fütterten.

Daher bat ich meine Schüler, zumindest zu Beginn und am Ende des Unterrichts ihre Kameras einzuschalten. Für die meisten ist dies kein Problem. Allerdings muss ich leider hinzufügen, dass ich einen Schüler seit sechs Wochen bisher weder gehört noch gesehen habe, da anscheinend sowohl Kamera als auch Mikrophon seines Computers nicht funktionieren. Ich fragte mich, wie er mich dann hören konnte. Das tut er nämlich, weil er sich im gleichzeitig zum Online-Unterricht laufenden Chat bemerkbar macht.

Alle anderen machten wirklich toll mit. Seit der ersten Woche war auch niemand mehr im Bett oder im Pyjama zu sehen, was ich aus pädagogischen Gründen und auch aus anderen Gründen sehr gut finde.

Ich sprach mit einer Bildschirmwand, auf der vier Kreise sichtbar waren. Der Gedanke, dass sich in dieser Wand 25 Schülerinnen und Schüler versteckten, war zunächst absurd. Auf einmal waren da wie durch ein Wunder statt der Kreise die Schülerinnen und Schüler zu sehen und zu hören. Es war ein bisschen wie eine erblühende Blume, auch was die Färbung des Bildschirms betraf; von schwarz zu bunt.
Die eingeschalteten Schülerkameras waren daher für mich wirklich eine grosse Hilfe. Immerhin konnte so die Illusion von anwesenden Personen entstehen, mit denen ich kommunizieren konnte.

Dies waren meine ersten Stolpersteine beim Eintauchen in die Welt des Online-Unterrichts, und dieser hatte ja noch gar nicht richtig angefangen….

– Judith Regazzoni

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